Die Körpersprache des Hundes

Die Haltung von Körper, Kopf und Rute, die Stellung der Ohren und der Maulwinkel sowie die Art des Hundeblicks geben eine Menge Aufschluss über die aktuelle Stimmungslage eines Hundes. Hundetrainerin Maren Grote sprach mit uns darüber, was der Hund mit seiner Körpersprache aussagt. Denn auch ein Hund "redet" mithilfe verschiedener Körperteile recht verständlich - wenn man denn seine Signale entsprechend deuten kann. Wer das beherrscht, kann deutlich erkennen, in welcher Gemütslage sich ein Hund befindet.

Wer seinen Hund richtig „lesen“ möchte, sollte seinem Tier möglichst emotionslos begegnen und nicht etwa sein eigenes Gefühl auf den Hund projizieren. Also: immer schön sachlich bleiben, auch wenns schwer fällt. Hier ein paar Beispiele aus dem Bereich des Sozialverhaltens von Hunden:


Demut

Die am häufigsten fehlinterpretierte körpersprachliche Aussage bei Hunden ist die Demut. Demut ist Höflichkeit und eine geschickte Möglichkeit, streitfrei und ohne großen Ärger durchs Leben zu kommen. Sich demütig zu zeigen, ist eine vom Hund ganz bewusst getroffene Entscheidung, von der er sich in einer bestimmten Situation einen Vorteil erhofft. So gibt es auch keinen Grund, einen ansonsten kompetenten, sich demütig zeigenden Hund zu bemitleiden.
Bei der Demut zieht sich alles am Hund nach unten und hinten. Der Körper wird abgesenkt und die Rute nach unten gerollt oder unter den Bauch geklemmt. Der ganze Hund taucht unter den Blicken seines Gegenübers ab. Die Ohren sind ganz weit nach hinten und unten gezogen, das Tier macht ein niedliches Babygesicht mit großen Kulleraugen und flacher Stirn. Auch die Maulwinkel sind wie ein Grinsen nach hinten gezogen, ohne dass die Zähne zu sehen sind. Der Blick flackert, ist bemüht abgewendet und dabei übertrieben konzentriert. Demütiges Verhalten ist immer mit einem weichen und biegsamen Körper verbunden.

Körpersprache von Hunden

Offensives Drohen

Drohendes Verhalten lässt sich in zwei Kategorien einteilen: in offensives und defensives Drohen. Das offensive Drohen ist die "überlegte" Form des Drohens, selbstbewusst und geradezu siegessicher. Der Hund verlagert dabei sein Gewicht nach vorn auf die Vorderläufe. Hals und Kopf sind nach oben gestreckt oder leicht erhoben. Allein die Ohren können sich dem Zug nach vorn etwas wiedersetzen, stehen eher seitlich ab oder sind ebenfalls, wie von einem imaginären Staubsauger angezogen, nach vorn geneigt. Ebenfalls nach vorn gezogen werden die Maulwinkel. Die Lippen des Hundes wirken dabei ganz kurz, als würde er "oh!" sagen. Bleckt der Hund dabei noch drohend das Gebiss, sieht man fast nur die vorderen Zähne blitzen. Auch Augenbrauen und Nasenrücken wirken wie nach vorn gesogen und bilden Falten vom Kopf Richtung Nasenspitze. Die Rute ist gerade in Verlängerung, vielleicht sogar etwas aufgerichtet zum Körper und eher still. Der Blick ist starr, er wechselt langsam und kontrolliert die Richtung. Der Blickkontakt zum Gegner wird direkt gesucht und gehalten.

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Defensives Drohen

Das Gegenstück zum offensiven Drohen ist das defensive Drohen, die etwas weniger selbstsichere, aber häufiger vorkommende Variante. Hier ist keine Angst im Spiel: Wer defensiv droht, fühlt sich eher provoziert, blöd angeguckt und bedrängt. Hier steht der "unsichtbare Staubsauger" hinter dem Hund: Die Ohren liegen an, das Körpergewicht ist nach hinten verlagert. Die Maulwinkel sind ganz lang nach hinten gezogen, es sieht fast aus, als würde das Tier grinsen. Der Hund formt das Maul, als würde er "iih!" sagen. Dementsprechend sieht man auch alle Zähne blitzen. Auch die Falten auf seinem Nasenrücken ziehen sich von der Nasenspitze nach hinten. Die Rute kann eingeklemmt sein oder leicht hin und her wedeln. Auf jeden Fall ist sie nach unten gerichtet. Der Blick ist starr, kann aber hin und herschwanken und flackern.
Offensives und defensives Drohen können während eines Kontakts in Sekundenschnelle wechseln und sagen nur etwas über den Gemütszustand in genau der Sekunde aus, in der sie gezeigt werden. Beide Verhaltensweisen sind gleichwertige, ernstgemeinte Androhungen. Hier sollte der Hundehalter besonders aufmerksam sein.

Sexualverhalten

Die Körpersprache beim Sexualverhalten wirkt gelöst und fröhlich und wird daher oft mit einem Spielverhalten verwechselt. Der Flirter zeigt sich locker imponierend und stellt sich in ein gutes Licht. Rute, Körper, Kopf: Alles wird übertrieben nach oben gerichtet und aufgestellt. Die Ohren ziehen sich so stark nach oben, dass zwischen ihnen auf der Stirn eine Falte entsteht. Der Blick ist freundlich und wechselt hin und her. Häufig fängt der liebestolle Vierbeiner an, auf der Stelle zu trippeln. Fiepende Geräusche, schmatzen, sich übers Maul lecken oder einem anderen Hund liebevoll in die Ohren und auf den Rücken schlecken gehören häufig auch dazu. Überkommt einen Hund der Liebesrausch, kann er auch den Hinterkörper einrollen und ihn wippend hin- und herbewegen. Die Rute wedelt dabei freudig erregt und etwas hektisch. Flirten ist freundlich, zugewandt und sehr aufgeschlossen. Wer flirten will, steckt einen kleinen Anraunzer übrigens locker weg, sollte der oder die Angebetete nicht gleich vom Annäherungsversuch begeistert sein.

Angst

Im Gegensatz zur Demut kann ein Hund sich nicht für oder gegen Angst entscheiden. Sie überkommt ihn. Hat ein Hund Angst, dann will er weg. Angst ist starr und macht einen harten und komplett angespannten Körper. Die Ohren sind nach hinten geklappt, aber nicht so fest an den Kopf gedrückt wie bei der Demut. Die Augen sind starr und weit aufgerissen, sie quellen förmlich über und die Pupillen sind groß und schwarz. Die Rute ist eingeklemmt und fest, das Gesicht wirkt versteinert und angespannt. Wer starr vor Furcht ist, kann sich kaum noch bewegen und wer ständig Angst hat, braucht Hilfe. Diese sollten Hund und Herrchen dann auch dringend in Anspruch nehmen.


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Zwei wie Hund und Katz? Zum Glück trifft diese Redensart nicht immer zu. Trotz einiger nicht unerheblicher Kommunikationsschwierigkeiten können die verschiedenen Vierbeiner nämlich durchaus harmonisch miteinander unter einem Dach leben. Querelen zwischen Hund und Katze entstehen im Wesentlichen durch ihre unterschiedliche Körpersprache. Wedelt der Hund mit dem Schwanz, signalisiert er Freude. Ein wedelnder Katzenschwanz hingegen signalisiert eher Angriffslust. Legt sich die Katze im Kampf auf den Rücken, tut sie das, um alle vier Pfoten zur Verteidigung einsetzen zu können. Der Hund hingegen unterwirft sich mit diesem Verhalten seinem Gegner. Ein friedliches Zusammenleben ist aber trotz dieser Widrigkeiten durchaus möglich.