Richtig Gassi gehen - Tipps für den Hundespaziergang

Der Inhalt des Mülleimers liegt komplett durchsortiert auf dem Küchenfußboden und Frauchens neue Stiefel mussten für die ausgiebige Zahnpflege herhalten. Schlecht erzogener Hund? Oder ein unausgelasteter Vierbeiner, der mit allerlei kreativen Maßnahmen selbst für Kurzweil gesorgt hat? Gelangweilte Hunde und das richtige Maß an Beschäftigung.

Keine Macht der Langeweile

Wenn der Vierbeiner Dinge im Haus zerstört oder plündert, ständig bellt und selbst in seinen eigenen vier Wänden nicht zur Ruhe kommt, stimmt meist irgendetwas nicht. Das aus Menschensicht ungehörige Verhalten kann durchaus ein Zeichen für eine gewisse Art von Fadheit im Hundeleben sein.
Dabei ist Langeweile aber ein Teil im Leben eines jeden Lebewesens, der nicht kategorisch vermieden werden sollte: Körper und Geist brauchen diese stillen Phasen, um zur Ruhe zu kommen, sich zu erholen und wieder offen für neue Eindrücke und Lerninhalte zu sein.
Hier gilt es, das richtige Maß zu treffen und Wissens- und Bewegungsdrang nicht über das gesunde Maß hinaus zu deckeln.

Sofortmaßname gegen das große Gähnen

Am besten geht´s auf Erkundungstour in der Natur. Hier kann der Hund seine natürlichen Verhaltensweisen ausleben: seine Nase benutzen, sich richtig austoben.
Wichtig dabei ist, die Hunderunde so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, immer wieder neue Strecken zu erforschen und während der gemeinsamen Zeit im Dialog mit seinem Hund zu bleiben.
Wer einen kontaktfreudigen Vierbeiner hat, kann sich gut einer Gassigruppe anschließen oder eine Hundewiese besuchen. Hier haben nicht nur die Hunde Spaß, auch die Halter knüpfen schnell Kontakte zu Gleichgesinnten und haben die Möglichkeit zum Austausch.
Für Hundehalter, die ihr Tier jobbedingt mehrere Stunden am Tag zu Hause lassen müssen, ist ein Gassiservice eine tolle Sache. Hier wird der Hund abgeholt, verbringt mit Artgenossen ein paar spannende Stunden an der frischen Luft und wird anschließend auch wieder nach Hause zurückgebracht.

Nur mal kurz in den Garten...

... reicht nicht aus. Schnell auf die heimische Grünfläche zum Erleichtern, weil Zeit für den Spaziergang erst in einer Stunde ist – in Ordnung. Das ersetzt aber nicht den abwechslungsreichen Ausflug in die Umgebung. Im Garten gibt es zu wenig Neues zu entdecken – immer die gleichen Gerüche, keine anderen Hunde.
Und wenn immer derselbe Ball auf derselben Wiese auf dieselbe Weise geworfen wird, ist auch aus dieses Beschäftigungsangebot eine stupide Wiederholung, in der selbst der seinem Herrchen oder Frauchen zugeneigteste Hund irgendwann keinen Sinn mehr sieht. Wir lesen ja auch nicht jeden Tag das gleiche Buch und sind damit zufrieden.
Ein wirklich großer Garten, in dem wenigstens zwei Hunde sich frei bewegen, ausreichend Platz zum Rennen und Toben haben und auf Patrouille gehen können, kann für eine gewisse Zeit ausreichend Abwechslung bieten. 

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Auslastung ausschließlich über Bewegung?

Auch konzentriertes Gehen und das Lösen von Denkaufgaben sind Formen der Auslastung, die genauso wichtig sind wie ausgelassenes Rennen und Toben. Manche Hunde finden es großartig, kleine neue Tricks zu erlernen, sie vorzuführen und anschließend ein Lob einzuheimsen.
Anweisungen wie ein zuverlässiger Abruf trotz Ablenkung sind sehr nützliche "Tricks", die es erst einmal zu lernen gilt. An diesen und ähnlichen Kommandos zu arbeiten, kann für den Hund eine auslastende Aufgabe und Beschäftigung sein.

Richtig spazieren gehen

Der Gassigang ist die beste, interessanteste, artgerechteste und günstigste Auslastung, die ein Hund bekommen kann. Und damit ist wirklich das reine Spazierengehen gemeint. Ohne Kunststücke und Leckerlispuren, sondern gemeinsames Gehen und Erkunden der Umgebung.
Empfehlenswert ist es, die Gassirunden in wechselnden Umgebungen durchzuführen und auch ausreichend lang zu gestalten. Verschiedene Untergründe, etwa Sand, Waldboden, auch einmal Asphalt oder steinige Wege, sorgen für Kurzweil unter den Pfoten.
Auch unterschiedliche Wetterlagen sind eine Herausforderung, ein Tempowechsel macht Spaß. Wenn erlaubt, einfach mal vom Weg abweichen und Fährten neben der Straße suchen - das sind Dinge, die Hunde begeistern und auch dem Leinenhalter Freude bereiten.
Sozialkontakte sind ebenfalls wichtig, seien es verschiedene Begegnungen oder das tägliche Spiel mit dem festen Hundekumpel aus der Nachbarschaft.

Auch Hunde möchten Neues erleben

Ein sowieso schon schneller und "wilder" Hund profitiert meist mehr von ruhiger und konzentrierter Arbeit, während ein "Couch-Potato" auch gern mal so richtig in Schwung kommen darf.
Wird immer nur das gefördert, was der Hund sowieso schon am besten kann, wird es schneller langweilig für ihn. Besser ist es, ihn vor Aufgaben zu stellen, die für ihn persönlich anspruchsvoll sind.

Auch in der Ruhe liegt die Kraft

Generell lässt sich sagen, dass die täglichen Ruhezeiten, in denen wirklich gar nichts passiert, mehr Raum einnehmen sollten, als die Aktionszeiten. Ein Hund braucht auch tagsüber Phasen, in denen er schlafen oder einfach vor sich hin träumen kann. Dieses Ruhebedürfnis ist individuell von Rasse zu Rasse und von Hund zu Hund zu betrachten. Mehr dazu in unserem tierischen Tipp Schlaf- & Ruhephasen von Hunden.

Auch das Alter des Tieres spielt natürlich eine Rolle. Betagtere Semester haben ein größeres Schlafbedürfnis und brauchen deutlich weniger geistige und körperliche Auslastung als ein junger, bewegungs- und wissbegieriger Vierbeiner, der erst einmal lernen muss, in regelmäßigen Abständen ohne Beschäftigung und Aufmerksamkeit klarzukommen.


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